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Suche geschenkten Gaul, biete Katze im Sack

Teil I

Von Healy nach Skagway, 13.07.09 (Tim)

 

Trampen in Alaska? Nee, das würde ich nicht empfehlen, das geht in Südamerika aber hier? Nee nee, das könnt ihr wohl vergessen. Und man möchte sein Auto ja auch nicht unbedingt mit zwei ungeduschten Backpackern teilen, wenn man doch in seiner klimatisierten Komfortzone durch die Landschaft ruckeln kann.

Aha, konnten wir uns nicht vorstellen und haben unseren Daumen einfach mal kühlend in den strahlend blauen Alaska-Himmel gehalten.

Den ersten ride haben wir auf der Stampede road bekommen und das in einem Zustand, in dem ich mich selber nicht im Traum mitgenommen hätte. Auf dem Rückweg, als wir völlig verdreckt und von vier ungewaschenen Tagen auf dem Trail gezeichnet, am Ende unserer Kräfte, auf dem Zahnfleisch kriechend, die Straße runter vegetiert sind, hält eine junge Familie mit zweijährigem Kind und nimmt uns um 22.00 Uhr die letzten drei, vier Meilen mit. Sie würden nur in Alaska Anhalter mitnehmen und eigentlich schon mal gar nicht, wenn sie ihre kleine Tochter dabei haben, aber heute ist wohl mal eine Ausnahme. Die nächsten, die uns mitnehmen, von einer Tankstelle aus, zurück zu der Kirche, wo wir campen, sind zwei Jungs, etwas jünger als wir. Ihrem Auto fehlt zwar der Auspuff aber nicht der Wille uns mitnehmen.

Aber dann wollen wir nach Fairbanks. Von Healy nach Fairbanks sind es 120 Meilen, eine große Bitte, die ausspricht, wer hier den Daumen raushält. Unerträgliche zehn Minuten müssen wir durch die Hitze des Vormittags laufen, bis ein Paar in einem Jeep anhält.

Jedes Auto birgt seine eigenen Fahrer, Geschichten und Musik und so war neben der Erleichterung, dass jemand gehalten hat, immer eine Überraschung hinter der heruntergelassenen Scheibe zu erwarten. Ron und seine Frau arbeiten im Denali National Park und wollen nach Fairbanks, klar können wir den ganzen Weg mitkommen. In ihrem full-size Truck sitzen wir irgendwie verloren aber angenehm klimatisiert auf riesigen Ledersesseln in der zweiten Reihe, rauschen durch die Landschaft und sprechen über unmögliche Touristen im Denali, Musik, unsere Reise, die Arbeit der beiden, Alaska und die Bedeutung von David Hasselhoff für Deutschland. Dabei spielen sie Rock-Klassiker, wir verstehen uns prächtig und halten gegen Mittag an der unglaublichsten Spelunke in ganz Alaska. Skinny Dicks’s half way inn. Vom Kiez ist man ja einige schräge Typen und Lokalitäten gewohnt, diese Bar allerdings würde auch dort noch einen Akzent setzen. Der Eingangsbereich macht klar, was mit Einbrechern geschähe, die Schilder haben folgende Inhalte:

Ich rufe nicht die Polizei ich schieße selber/ Dieses Gebäude wird drei Nächte die Woche bewacht, rate welche/ Auf Einbrecher wird geschossen, auf Überlebende nochmal.

Die Decke und Wände sind gepflastert mit Dollarscheinen, auf denen man aufschreibt, was immer man mag, Hauptsache sexistisch. Alles in diesem Laden ist eine sexuelle Anspielung oder schon weit darüber hinaus. Die Salz- und Pfefferstreuer sind kleine Penisse, die Feuerzeuge auch und man kann alle kaufen. Eine Bar mit angeschlossenem (Sex-)Shop, der alles bietet, von der Schürze mit riesigem Schwengel über Dildos und Schlüsselanhänger bis hin zu Pins mit rammelnden Bären. Den, und eine Runde Bier, will Ron uns unbedingt ausgeben. Der Pin findet seinen Weg an meinen Rucksack, die Bar einen Platz in unserem Herzen. So ungemütlich und rau sie von außen wirkt, so nett ist es von innen, ein bißchen wie dieses Land. Und dann sind wir auch schon in Fairbanks, mitten in Fairbanks, genau vor dem Visitor Center, perfekt.

Zwei Tage später stehen wir in Fairbanks in der Innenstadt am Highway. Nach fünf Minuten hält Roberto, auf dem Weg nach Anchorage und natürlich kann er uns die 160 Meilen nach Cantwell mitnehmen. Er, und ich glaube auch sein Chrysler Laser, sind illegal in Alaska. Er kommt aus Mexiko und ist vor einem Jahr aufgeflogen. Jetzt sucht er einen Anwalt, der gegen seine Abschiebung angeht, seine Chancen stehen aber schlecht, da er weder Familie noch Wohneigentum hat.

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