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Sie verlassen den zumutbaren Sektor Teil I

Berlin, 30.03.09 (Susan)

 

Heute war er da, der lang-erwartet-gefürchtete Visa-Tag in Berlin.

 

Background:

Weil wir länger als drei Monate in den USA herumreisen wollen, haben wir uns schon vor langer Zeit entschieden, ein Visum für die USA zu beantragen. Genauer gesagt, ein „B-2-Visum“ (Ein Besucher-Visum zu touristischen Zwecken). Da gibt es kleine aber feine Unterschiede und unglaubliche Dinge zu beachten.

Es fängt damit an, dass man dieses Visum nicht irgendwann beantragen kann, nein, man kann es erst ca. zwei Monate vor Reiseantritt tun. Und das obwohl das Visum an sich eine Gültigkeit von 10 Jahren hat. Verstehen muss ich das nicht. Also nervige Warterei bei einer Sache, die wir schon vor Ewigkeiten hätten erledigen können, wenn man uns nur gelassen hätte. Tut er aber nicht der Uncle Sam. Und er hat noch mehr solcher Späße auf Lager. Da kann Behördenland Deutschland noch einiges lernen von God’s own country.

 

Aber ich will mich nicht beschweren. Im Gegensatz zu Tim hatte ich es ja noch leicht. Er musste – weil männlich und über 25 Jahre alt – im Vorhinein online in einem Formular darlegen, an welchen Waffen er ausgebildet ist und welche Länder er wann und wie lange in den letzten 10 Jahren bereist hat.

Ersteres ist bei Tim ja besonders lächerlich, da er nicht mal ein Messer besitzt, geschweige denn bedienen kann. Also ist dieser Part schnell abgehakt aber mal eben die letzten 10 Jahre Reisetätigkeit zu rekapitulieren, strengt die grauen Zellen ganz schön an. Für diesen Teil sind im Online-Formular DS 157, wie bei einer SMS, übrigens nur 150 Zeichen vorgesehen.

Zum Glück führe ich, wie auch über einige andere Dinge in meinem Leben, eine Liste über all meine Auslandsaufenthalte... Räusper...

Nachdem alles Notwendige online ausgefüllt und für den Termin ausgedruckt ist (da hört’s dann nämlich auf mit online und das gute alte Papier muss wieder herhalten), muss man die Visagebühr an eine dubiose Firma namens „Roskos&Meier“ überweisen. Roskos&Meier schickt einem dann drei Tage später eine Email mit der Einzahlungs-Bestätigung und einem Barcode. Beides ist zum Visa-Termin mitzubringen. Aus Gründen, die mir nicht bekannt sind, könnte Roskos&Meier zu viel bezahlte Beträge nicht zurücküberweisen. Ich weiß nicht, warum die das nicht können und warum diese Information auf der Visa-Seite gegeben wird aber ich gebe sie hier einfach mal weiter.

Auch atme ich an dieser Stelle einfach mal meinen Verdacht weg, dass diese Firma Geldwäsche betreibt; die Online-Überweisung heutzutage nicht einmal verschlüsselt geschieht und, dass der Visa-Betrag sich von 2008 auf 2009 mal eben um 20% auf 107 EUR erhöht hat. Das man das Geld nicht zurückbekommt, wenn man kein Visum erhält, ist wohl obligatorisch.

 

Außerdem benötigt man für den Visa-Termin noch ein Foto, dass den Kopf des Protagonisten auf 2/3 der Gesamtfläche mit freigelegten Ohren vor weißem Hintergrund zeigt.

An dieser Stelle könnte man stolpern. Das biometrische Foto, das wir vor wenigen Wochen für unseren Pass haben machen lassen, erfüllt alle Voraussetzungen und ich war kurz davor eines dieser Verbrecherfotos einzupacken, aber denkste. Irgendwo bei den „Fotobestimmungen für Visa-Anträge“ steht, dass das Foto 5 x 5 cm groß sein muss und das ist das biometrische Foto nicht.

Also kurz ausgerastet und noch mal beim Fotografen 14 EUR für hässliche Fotos gelatzt.

 

Als letztes benötigt man noch einen frankierten Rückumschlag, damit einem der eigene Reisepass samt eingeheftetem Visum zugeschickt wird, wenn’s denn genehmigt wird.

 

Und last but not least braucht man dann noch diverse Nachweise, dass man nicht vorhat, in die USA einzuwandern und denen auf der Tasche zu liegen, denn davon geht der amerikanische Staat grundsätzlich aus, wenn man ein Visum beantragt.

 

Mit zwei dicken Sammelheftern voll mit den sowieso notwendigen Unterlagen, Gehaltsabrechnungen, Kontoauszügen, Flugticket, Impfpass, internationalem Führerschein, Hostel-und Mietwagen-Bestätigung, unsere Routenplanung und als Joker jeweils ein Foto von Mama und Papa („um bestehende soziale Bindungen nachzuweisen“) ging’s ab nach Berlin.

 

Hier geht’s zum zweiten Teil

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