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Das beste Frühstück seit 14 Monaten?

Salento, 30.07.10 (Tim)

 

Ich liebe Frühstück, die erste Mahlzeit des Tages und damit Hauptverantwortlicher für einen möglicherweise gelungenen Start in den Tag. Zuhause, am Wochenende, am liebsten mit Freunden lang und ausgiebig frühstücken ist für mich das Größte. Seit 14 Monaten aber, sieht es an der Frühstücksfront ziemlich düster aus. Das deftige Frühstück in Amerika mit Hashbrowns, Eiern, Pancakes mit Sirup und dicken Toastscheiben ist einige Zeit echt lecker, dann und wann brauche ich aber auch was Gesundes. In Argentinien und Chile wurde es nicht besser. In Amerika standen wir zumindest satt - meistens papp-satt - auf, im Süden des Kontinents nicht immer. Backwaren sind einfach keine Stärke auf diesem Kontinent, gehören für mich aber zum Frühstück dazu. Eine Perle gab es dann in „Putre“, ganz im Norden von Chile. Im „La Chakana“ serviert das deutsch-chilenische Paar George und Marisol ein Frühstück, dass an Auswahl und Vielfältigkeit auf diesem Kontinent seines gleichen sucht.

Es war ein hervorstechendes Highlight, bevor es in Bolivien und Peru ganz schlecht um meine Lieblingsmahlzeit stand. Frühstück, meine lieben Bolivianer, besteht nicht aus Reis und Rindfleisch und an Peru: Man kann auch nicht einfach so tun, als würde diese Mahlzeit nicht existieren. In Ecuador, wo die Sonne bekanntlich etwas heller scheint, lockerte die Frühstücksverschwörung ihren morgendlichen Würgegriff um meine Kehle und gewährte mir mit frischen Säften und einer exzellenten deutschen Bäckerei in Cuenca (danke für den Tipp an Ingo und Birthe von Freigelassen) das kleine Glück für einen guten Start in den Tag.

In Kolumbien ist man, was Frühstück angeht, auch eher einfach gestrickt. Zigaretten, Zeitung, Kaffee sieht man in vielen Cafés, was an einem Arbeitstag auch okay sein mag. Da für mich aber immer Sonntag ist, brauche ich etwas mehr und ich bekomme es. In Salento in der „Republica d’Artistas“, einem Hostel mit über 100 überschwänglichen Bewertungen. Keine davon bezieht sich auch nur in einer Silbe auf das Hostel, es geht allein um das Frühstück. 12.000 kolumbianische Pesos ruft Joseph dafür auf, knapp sechs Euro. Was in Deutschland sehr fair klingen mag, ist hier ein beachtlicher Teil meines Tagesbudgets, das größtenteils für Busfahrten und Hostels draufgeht. Joseph ist Spanier und darum verstehe ich nicht alles, was er mir im „Schnellfeuer-Stakkato“ von der Speisekarte runter-rattert aber ein paar leckere Sachen scheinen dabei zu sein und die Auswahl ist riesig. Was ich aber vor allem nicht verstanden habe und erst am nächsten Morgen realisiere, ich habe nicht die Wahl zwischen den ganzen Leckerrein, ich bekomme sie alle.  

Die Früchte sind von ihm angebaut und garantiert unbehandelt, die Milch kommt direkt von einer glücklichen Kuh auf den Weiden um Salento und ist nur gekühlt, ansonsten völlig unbehandelt. Der Kaffee ist seine Mischung, den Joghurt und Käse macht er selber, das Brot auch und zubereiten tut er das Ganze mit der Inbrunst und Freude eines „französisch-spanischen-drei-Sterne-Michelin-Koch“. Die Liebe zu gutem Essen zieht sich bei ihm durch die Familie. Seine Mutter betreibt eines der besten Restaurants der Welt und ist tatsächlich mehrfach mit Michelin-Sternen ausgezeichnet. Für Joseph muss Kochen einfach sein, er würzt nur mit Salz und Pfeffer und nutzt ausschließlich lokale Produkte, die er direkt bei den Bauern der Region kauft. Was er aber daraus macht, ist weit davon entfernt, was Du und ich mit denselben Zutaten zustande bringen könnten. Bei einigen Kreationen bin ich mir anfangs nicht ganz sicher, ob ich finde, dass sie geschmacklich zusammenpassen aber alleine zuzusehen, wie er die Teller für mich zusammenstellt, erinnert an einen messerschwingenden Dirigenten, der sein Obst und Gemüseorchester zur Bestleistung pusht. Zweifel aber sind spätestens nach dem ersten Teller ebenso fehl am Platze wie ein zu eng gefasster Zeitplan. Während er alles frisch und nur für mich zubereitet, hat er die Ruhe, mit mir über Reisen und das Land zu sprechen, während er auf drei Herdplatten gleichzeitig den Takt vorgibt und darauf achtet, dass nichts anbrennt.

Beim ersten Besuch kann ich vor lauter Glück nicht recht glauben, was es alles gibt und darum muss ich noch mal wieder kommen und den Zauber in Bildern festalten. Wenn Du hier aufstehst, hast Du weit mehr gegessen als Du wolltest aber die Liebe und Hingabe mit der hier gekocht wird, verführt dazu, jede der zehn Kreationen nicht nur probieren zu wollen, sondern restlos aufzuessen.

Nach einem Verdauungs-Espresso habe ich Gewissheit. Es war nicht das beste Frühstück der letzten vierzehn Monate. Das war das beste Frühstück der Welt.

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