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Die Seen der anderen Teil I

Field, Yoho National Park, 11.08.09 (Tim)

Canada Parks ist ein Nationalpark-Konglomerat, das sich zwischen British Columbia und Alberta aus sechs Nationalparks zusammensetzt und insgesamt der Größe Mecklenburg Vorpommerns entspricht. Die Parks sind einzigartig in ihrer landschaftlichen und tierischen Vielfalt. Sie sind gut organisiert und haben neben etlichen Campingplätzen mit Jasper und Banff auch zwei große Dörfer mit allen Annehmlichkeiten, die man sich als Tourist wünschen kann. Souvenirshops, Restaurants und 50 Jahre alte „historische“ Gebäude quillen schlimmer über als die Plauze manches, hier durch die Fell- und Schmuckläden lustwandelnden, Pauschaltouristen. Alle sind furchtbar aufgeregt und „amazed“ ob der „cuteness“ der Orte und alles ist fürchterlich „lovely“ und natürlich „very unique“. Schnell noch ein Shirt gekauft oder einen Glasteller mit einem röhrendem Hirsch, how exciting.     

Und es gibt hier unsagbar viele Souvenirshops, die es mit den Wörtern Kunst, antik, historisch, einzigartig und Artefakt nicht so genau nehmen und sie recht verschwenderisch einsetzen. Was es in diesen Läden gibt ist allerdings sehenswert und beweist mir, dass ich keinen Souvenirshop leiten könnte, weil mein Sinn für Stil und Angemessenheit sich einfach nicht mit dem Warenangebot decken mag. Ich kann mir keinen Platz in keinem Haus vorstellen, wo man diese glasgewordenen Perversitäten, die hier feilgeboten werden, verstauben lassen könnte, zumal man sie bei angekündigtem Besuch auch noch verstecken müsste, will man nicht als völliger Kunstbanause, bzw. Geschmacksautist dastehen. Doch sie werden gekauft und das zu Preisen, dass mir der Mund trocken wird.  

Seinen Höhepunkt findet das Treiben rund um einen See, der den Hauptgrund für viele Touristen darstellt, in diese Gegend zu kommen. Lake Louise ist ein wunderbarer See mitten in den Rocky Mountains und er ist türkis. Er liegt inmitten einer so pompösen Gebirgslandschaft, dass Disney persönlich ihn nicht hätte kitschiger inszenieren können. Um ihn zu erreichen muss man nichts weiter tun, als den, an dieser Stelle vierspurigen Highway, über ein Straßeninfrastrukturnetz zu verlassen, das mancher Kleinstadt gut zu Gesicht stünde und auf einen der vielen Parkplätze einen Stellplatz zu finden. Das ist nicht immer ganz leicht, denn der Ansturm ist immens. Busladungsweise werden hier Touristen ausgespuckt, die aus allen Teilen der Welt hierher kommen um einen verzauberten See zu sehen. Die Magie geht zwar irgendwo zwischen internationalem Stimmengewirr, Digitalkamera-Fokussier-Piepen und Auslösergeräusch verloren aber das ist egal, es hindert niemanden diesen Ort zu besuchen, uns auch nicht. Die 50$ Stundenmiete für ein Kanu hat keinen der vielen Kanukapitäne auf dem See davon abgehalten, dieses einmalige Fleckchen Wasser zu befahren und das Snack- und Souvenirangebot mit T-Shirts, Caps und kalten Getränken hält niemanden an diesem Tag davon ab, die Magie dieses Zaubersees zu spüren. Niemand nimmt Notiz von den tausenden Touristen, die sich alle in gleicher Pose vor dem See fotografieren lassen, den Asiaten, die für diese Prozedur, durch ständiges Neuarrangieren der zu fotografierenden Gruppe Stunden brauchen oder den zu dicken amerikanischen Kreuzfahrttouristen, die neben Bauch auch noch versuchen ein bißchen türkisfarbenes Wasser auf das Foto zu vereinen. Niemanden scheint es zu stören, dass sich direkt am Seeufer ein gigantisches und furchtbar deplatziert wirkendes Betonbollwerk namens Hotel Chateau Lake Louise einen kaum unpassenderen Namen hätte geben können.

Es gibt noch mehr dieser unwirklich gefärbten Seen in dieser Gegend aber Lake Louise darf sich zurecht die Königin dieser farbenfrohen Oasen nennen. Abzulesen ist das neben den Kanupreisen, die sich auf den anderen Seen mit bis zu 30$ pro Stunde relativieren und am Touristenaufkommen. Die anderen Seen, wie der Moraine- oder Emerald Lake sind auch voll und die Hotels eben so ausgebucht wie die Preise gesalzen aber der Lake Louise setzt dem Ganzen die Krone auf und glaubt mir, ich finde das super.

Denn es gibt noch eine Perle in den Rocky Mountains, einen weiteren See, nur kann man ihn nicht bequem per Auto oder Pauschaltouristen-Reisebus erreichen. Lake O’Hara liegt im Yoho National Park, einem der kleineren Parks.

Pro Tag dürfen nur 40 Personen dieses Juwel besuchen, dürfen in einen Schulbus gequetscht, elf Kilometer über eine Schotterpiste rappeln, um dann auf einem einfachen Campground ohne Dusche oder einer am See gelegenen Lodge abzusteigen. Natürlich ist der Andrang gewaltig, die Limitierung ist gleichzeitig die beste Werbung für eine bestimmte Art von Besuchern, zu der auch wir zählen. Das und die Erzählungen einiger die den See bereits besucht haben, lockten uns. Nun ist es nicht so, dass man einfach mal hinfährt und sich dann einen schönen Tag macht. Die Plätze in dem Bus sind bis Ende September und damit bis Ende der schneefreien Zeit ausgebucht. Für die Wochenenden sind die Plätze im Bus, die man drei Monate vorher reservieren kann, binnen weniger Tage ausverkauft.

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